Heimstatt Esslingen e.V.
         
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Sozialpolitik

Rundbrief 2009
 
Liebe Freundinnen und Freunde unserer Arbeit,
sehr geehrte Damen und Herren,

ein für Heimstatt Esslingen e.V. erfreuliches Jahr neigt sich dem Ende zu.

Unser erster Neubau seit mehr als zehn Jahren wurde errichtet und konnte im August bezogen werden.

Dank Ihrer Spenden, der Aktion Mensch, dem Land Baden-Württemberg und nicht zuletzt der Stadt Esslingen konnten wir drei sehr schöne Wohnungen am Rande der Esslinger Innenstadt errichten und an vier BewohnerInnen mit unbefristeten Mietverträgen übergeben.

Eine bewusst klein gehaltene Einheit in unbelasteter Wohnumgebung gibt vier Menschen Sicherheit und Geborgenheit und wird Betreuungsprozesse zur erfolgreichen Vollendung führen.
Die ersten Rückmeldungen der neuen BewohnerInnen bestätigen uns in diesem Bauprojekt.
Bezüglich der Sorgen, die einige Nachbarn geäußert haben, sind wir zuversichtlich, dass sie sich als unbegründet herausstellen werden.

 

"Jeder hat das Recht auf soziale Teilhabe, weil er lebt."
Prof. Franz Segbers

 
Unser neues Haus kommt passend zum "Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (2010)" [Zitat und alle weiteren Zitate aus: Amtsblatt der Europäischen Union L 298/20 vom 7.11.2008], welches das Europäische Parlament 2008 ausgerufen hat.
"Die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" sei "eines der zentralen Engagements der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten."

Bereits 2000 stellte der Europäische Rat auf seiner Tagung in Lissabon fest, dass "das Ausmaß an Armut und sozialer Ausgrenzung nicht hingenommen werden kann."
Dieser Europäische Rat forderte die Mitgliedsstaaten und die Kommission auf, etwas zu unternehmen, um bis zum Jahr 2010 die Beseitigung der Armut entscheidend voranzubringen. Mit dem Europäischen Jahr werden folgende Ziele und Leitprinzipien verfolgt:

"Anerkennung des Grundrechts der von Armut und sozialer Ausgrenzung Betroffenen auf ein Leben in Würde und auf die umfassende Teilhabe an der Gesellschaft. […]
Förderung eines stärkeren sozialen Zusammenhalts durch Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Vorteile, die für jeden mit einer Gesellschaft verbunden sind, in der es keine Armut mehr gibt, in der eine gerechte Verteilung ermöglicht wird und in der niemand ausgegrenzt wird."

Ihrer Armut wegen können sie zahlreichen Benachteiligungen ausgesetzt sein - Arbeitslosigkeit, Niedrigeinkommen, schlechten Wohnverhältnissen, unzureichender gesundheitlicher Betreuung und Hindernissen im Aus- und Weiterbildungs-, Kultur-, Sport- und Freizeitbereich.
Sie sehen sich häufig an den Rand gedrängt und von der Teilnahme an Aktivitäten ausgeschlossen, die für andere Menschen die Norm sind. "Auch kann ihr Zugang zu Grundrechten eingeschränkt sein." (Europäische Kommission 2004)

Trotz aller Ankündigungen der unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Akteure hat sich das Problem verfestigt, gesteigert und ist weiter denn je von einer Lösung entfernt. Nicht erst die Wirtschaftskrise hat die Armutsquote steigen lassen.
Bereits 2007 kam die Europäische Armutskonferenz zu dem Schluss, dass "die Politik bei der effizienten Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung dramatisch versagt" habe.

Alle Altersgruppen sind betroffen.
Die Kinderarmut, die in vielen Gegenden Deutschlands schon mehr als ein Viertel betrifft, ist der schlimmste Teilaspekt dieses Phänomens, weil eine riesige Zahl von Kindern sehr stark unter Armut leiden und überhaupt keine Schuld an ihrer Misere haben und trotzdem massiv benachteiligt sind.

Zum Schluss soll aber auch ein Hoffnungsschimmer aus Berlin Erwähnung finden:
Planungen der neuen Bundesregierung sehen Verbesserungen in drei Punkten zu Gunsten der von Hartz IV Betroffenen vor.

Die Zuverdienstgrenzen sollen erhöht werden, d.h. ALG II-EmpfängerInnen dürfen mehr von dem Geld behalten, das sie verdienen.

Der Vermögensfreibetrag soll deutlich erhöht werden, wenn das Vermögen zur Alterssicherung angelegt ist.

Zu guter Letzt soll das selbst genutzte Wohneigentum geschützt werden. Das heißt, Menschen müssen nicht ihr Zuhause verlassen und verkaufen, wenn sie auf Grund von Arbeitslosigkeit in finanzielle Not geraten.

Wir hoffen, dass im Laufe der nächsten Jahre noch weitere Entschärfungen von Hartz IV hinzukommen und vielleicht sogar auskömmlichere Regelsätze möglich werden.

Ihnen wünsche ich alles Liebe und Gute, bleiben Sie uns wohl gesonnen.

Ihr
Ralf Brenner (Geschäftsführer)

"Er antwortete ihnen folgendermaßen: »Die zwei Umhänge haben, sollen jenen geben, die keinen haben. Und die zu essen haben, sollen ebenso handeln! « "
Lukas 3, 11

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Ralf Brenner, Geschäftsführer